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Ich bin noch nicht dort, wo ich musikalisch sei möchte.

6. Sept.
3 Min. Lesezeit

Ich mache schon lange Musik. Ich bin als Gitarrist auf vielen Bühnen mit verschiedenen Bandprojekten gestanden. Ich habe schon viele Unterrichtsstunden zu den unterschiedlichsten musikalischen Themen abgehalten. Ich beschäftige ich mit Songwriting und Musikproduktion und Musik nimmt einen wichtigen Platz in meinem Leben ein.


Trotzdem bin ich musikalisch noch nicht dort, wo ich gern sein möchte.


Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mit dem Erreichten unzufrieden bin. Ich merke nur, dass es noch sehr viel gibt, das ich gerne lernen, ausprobieren und erreichen möchte.


Aber wo möchte ich eigentlich musikalisch noch hin?


Diese Frage stelle ich mir immer wieder und ich frage mich dann auch, was ich darunter eigentlich verstehe.


Vielleicht möchte ich auf der Gitarre Dinge spielen können, die heute noch außerhalb meiner Möglichkeiten liegen. Vielleicht möchte ich sicherer improvisieren oder bestimmte musikalische Zusammenhänge besser verstehen.


Beim Songwriting möchte ich Songs schreiben, bei denen ich irgendwann wirklich sagen kann: Genau so wollte ich das ausdrücken.


Bei der Produktion möchte ich meine eigenen Vorstellungen immer besser tatsächlich hörbar machen.


Vielleicht gibt es auch beim Auftreten Dinge, die ich noch entwickeln möchte.


Und daneben gibt es auch noch die berufliche Ebene: Ich möchte Musik nicht nur machen, sondern mir damit zunehmend mein berufliches Leben aufbauen.


Wenn ich andere Musiker betrachte, entdecke ich immer wieder Sachen bei denen ich etwas höre und mir dann denke, dass ich das auch gerne können würde.


Oder ich höre einen Song und denke mir dabei, dass ich auch gerne so einen Song einmal schreiben möchte.


So etwas kann motivieren - aber auch frustrieren.


Ein Vergleich dieser Art ist ja aber auch eigentlich unfair. Denn ich sehe bei einem anderen Musiker das Ergebnis von vielleicht Jahrzehnten Arbeit und halte es gegen meinen aktuellen Standard. Man weiß auch nicht, worauf dieser Musiker in seinem Leben bereit war zu verzichten.


Gleichzeitig kann jemand anderes wiederum etwas in meinem Musikerleben sehen, das für ihn noch weit entfernt ist.


Das bringt mich dann zur nächsten Frage.


Wann bin ich eigentlich “gut genug”?


Das ist eine spannende Frage, aber vielleicht gibt es diesen Punkt auch überhaupt nicht.


Angenommen, ich erreiche in fünf Jahren genau das Niveau, das ich mir heute wünsche. Würde ich dann sagen: “So, fertig. Jetzt kann ich Musik.”


Wahrscheinlich nicht.


Das erinnert mich auch an eine Diskussion, die ich mit einem Kollegen aus einer ehemaligen Band hatte. Ich habe ihm ein klassisches Gitarrenstück vorgespielt und ihm gesagt: “Wenn ich das kann. Dann kann ich Gitarre spielen.” Darauf sagte er zu mir: “Nein. Wenn du das kannst, dann kannst du dieses Stück spielen.”


Das hat mich zum Nachdenken gebracht und er hatte recht. Wenn man ein kompliziertes Stück spielen kann, dann kann man wirklich nur dieses Stück spielen. Aber Musik ist noch so viel mehr.


Ein einzelnes Stück kann niemals der endgültige Beweis dafür sein, dass man jetzt “Gitarre kann”.


Mir wurde dadurch bewusst, dass es diesen einen Punkt wahrscheinlich gar nicht gibt, an dem ich sagen kann: “Jetzt kann ich Gitarre. Jetzt kannich Musik.”


Bis dahin habe ich allerdings Neues kennengelernt. Mein Gehör hat sich entwickelt. Meine Ansprüche haben sich verändert. Vielleicht interessieren mich dann plötzlich ganz andere Dinge.


Das Ziel bewegt sich mit mir.


Und vielleicht ist das gar kein Problem.


Nicht dort zu sein, wo ich hin möchte bedeutet nicht, dass ich gescheitert bin.


Ich habe noch etwas vor mir.


Natürlich darf ich stolz auf bzw. zufrieden mit den Dingen, die ich bereits erreicht habe und kann und trotzdem darf ich noch mehr wollen.


Das widerspricht sich nicht.


Musiker und Musikbusiness sind zwei unterschiedliche Entwicklungen.


Wenn es um das Thema “Musikerleben - Musik erleben” geht, dann möchte ich beruflich stärker von der Musik leben können. Gleichzeitig möchte ich mich aber auch musikalisch weiterentwickeln.


Diese beiden Dinge sind nicht identisch.


  • Jemand kann ein hervorragender Musiker sein und kaum Geld damit verdienen.


  • Jemand kann wirtschaftlich sehr erfolgreich im Musikbereich sein, ohne der technisch beste Musiker zu sein.


Bei diesen beiden Blickwinkeln könnte ich mich Folgendes fragen:


Welchen Musiker möchte ich eigentlich entwickeln - unabhängig davon, wie viel Geld ich damit verdiene?


In Verbindung damit steht eine weitere Frage:


Welches berufliche Leben möchte ich mir mit meiner Musik aufbauen?


Beides darf zusammenwachsen. Aber ich würde es nicht miteinander verwechseln.


Ich weiß noch nicht, wo ich musikalisch in fünf oder zehn Jahren stehen werde.


Aber genau das empfinde ich vielleicht sogar als etwas Schönes.


Es gibt noch Songs, die ich nicht geschrieben habe.

Es gibt Dinge auf der Gitarre, die ich noch nicht kann.

Es gibt musikalische Zusammenhänge, die ich noch entdecken werde.

Es gibt Erfahrungen, die ich noch nicht gemacht habe.


Ich bin noch nicht dort, wo ich musikalisch sein möchte.


Das bedeutet jetzt nicht, dass ich unzufrieden bin.


Ich bin noch unterwegs.

 
 
 

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